Wiederbesetzung des Hambacher Walds

Seit 2012 gibt es die Waldbesetzung im „Hambacher Forst“. In Baumhäusern verteidigen die Aktivist*innen den Wald vor der Rodung durch die RWE Power AG, die unmittelbar neben dem Wald Deutschlands größten Braunkohletagebau betreibt. Der Wald soll nach Plänen des Energiekonzerns gerodet werden, damit der Braunkohletagebau Hambach ausgeweitet werden kann. Im Herbst 2018 wurden alle Baumhäuser der Besetzung unter großer Medienaufmerksamkeit durch die Polizei geräumt und zerstört. Die Räumung sollte der Beginn der Rodung werden - doch es kam anders. Ein Gericht stoppte die Rodungspläne vorläufig, zehntausende Menschen solidarisierten sich mit der Besetzung und demonstrieren am Hambacher Wald. Wenige Monate später spricht sich die Kohlekommission in ihrem Kompromissvorschlag für den Erhalt des Waldes aus. Der Wald scheint für viele gerettet. Für die Aktivist*innen im Hambacher Wald galt eher das Motto: Nach der Räumung ist vor dem Wiederaufbau. Etwa ein Jahr später stehen wieder über 40 Baumhäuser in rund zehn Baumhausdörfer, sogenannten Barrios, verteilt über den ganzen Wald. Nur wenige Barrios stehen an den gleichen Stellen, nur eines hat noch den gleichen Namen. Auch die Menschen sind wohl zum Großteil nicht mehr die gleichen wie vor der Räumung. Der Wiederaufbau ermöglichte es aus Fehlern zu lernen: Die Baumhäuser wirken besser gebaut, noch stabiler und besser isoliert. Die Solidarität in der Bevölkerung hat die Versorgung der Besetzer*innen verbessert, sodass das Leben im Wald einfacher geworden ist. Für die Besetzer*innen gab es neben dem Widerstand gegen RWE und dem Kampf für Klimagerechtigkeit schon immer einen zweiten wichtigen Aspekt der Besetzung: Die Besetzung bietet die Möglichkeit, dem Leben nach anarchistischen Prinzipien näher zu kommen, als es im alltäglichen Leben außerhalb des Walds möglich ist. Die Besetzung und die einzelnen Barrios funktionieren als anarchistische Kollektive: Materialien, Wohnraum und Essen werden geteilt, Entscheidungen werden in Plena getroffen und es gibt keine Hierarchien. Die meisten Barrios leben vegan, einige machen bei containertem Essen Ausnahmen und verwenden dann auch vegetarische Lebensmittel. Entgegen des Kompromisses der Kohlekommission rückt die Abbruchkante des Braunkohletagebau Hambach täglich näher an den Wald heran. Auch das Dorf Manheim, das nur wenige hundert Meter vom Hambacher Wald entfernt liegt, wird von RWE zerstört. Deswegen trauen die Besetzer*innen der aktuellen Ruhe nicht und sind jederzeit bereit, den Wald und das anarchistische Leben in ihm gegen eine erneute Räumung und mögliche Rodung zu verteidigen - einige vermutlich auch mit militanten Mitteln.

Das Barrio "Kähennest" im Morgenliicht

Das größte Baumhaus der aktuellen Besetzung Namens "ABC"

Oaktown, das einzige Barrio mit gleichem Namen wie vor der Räumung.

"Im Winkel"

Immer wieder findet man auch einzelne Baumhäuser ohne Barrio

Das Barrio "Lluna". Früher war hier das Barrio "Gallien".

An manchen Bäumen findet man noch Überreste der alten und geräumten Baumhäuser, wie hier im ehemaligen Cozytown

Ein Baumhaus in "Hallimarsch"

Das Barrio "Endor"

Das Barrio "Anarsch" im Westen des Waldes.

Barrikaden finden sich im ganzen Wald - oft mit politischen Botschaften.

An vielen Stellen wird noch immer gebaut. Es entstehen neue Baumhäuser und teilweise auch neue Barrios, wie hier am sog. "Jesuspoint" einer der größten Wegkreuzungen im Wald.

Das Wiesencamp.

Das Barrio "Hazelnut"

Der Stützpunkt der RWE-Security gleicht ähnlich wie einige Barrios einer Festung.

Nur noch wenige Meter liegen zwischen Wald und Abbruchkante des Tagebaus.