Die Dörfer die weichen sollen

Der Kohleausstieg ist beschlossen, der Hambacher Forst scheint gerettet, aber trotzdem sollen rund 12 Dörfer in Deutschland den Erweiterungen der Tagebaue weichen.

Um Deutschland Braunkohlekraftwerke zu befeuern werden riesige Landstriche in Mondlandschaften verwandelt. Die Tagebaue, in denen die Braunkohle gefördert wird, fressen sich im Rheinland, der Lausitz und im Leipziger Land durch die Landschaft. Felder, Dörfer und Wälder, die auf Braunkohlevorkommen liegen, werden abgerissen, gefällt und abgebaggert. Mehr als 300 Dörfer wurden in der deutschen Geschichte der Braunkohle bereits abgerissen, um Braunkohle zu fördern. Rund 100.000 Menschen haben somit ihre Heimat verloren und wurden in neue Dörfer umgesiedelt. Die Kohlekommission hat den Kohleausstieg beschlossen und auch der Hambacher Forst, der im letzten Herbst in aller Munde war, scheint gerettet zu sein. Keine drei Kilometer vom Hambacher Forst entfernt liegt das Dorf Manheim. Es ist eines der 12 Dörfer, die in den nächsten Jahren weichen müssen, um die Braunkohletagebaue zu erweitern. In Manheim sind die Abrissarbeiten in vollem Gange. Häuser, die während der Räumungen im Hambacher Forst noch besetzt waren, sind jetzt abgerissen – die Stellen kaum wieder zu finden. Manheim und Morschenich müssen weichen, um den Tagebau Hambach zu erweitern.

Rund 30 Kilometer weiter liegt der Tagebau Garzweiler. Auf seiner zukünftigen Fläche liegen sechs Dörfer. Immerath ist eines der Dörfer. Es ist fast vollständig zerstört. Aber auch in den anderen Dörfern ist die geplante Umsiedelung spürbar. Dabei zeigen Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass keine weiteren Dörfer mehr abgebaggert werden müssten.

Aber gegen den Abriss der letzten Dörfer gibt es Widerstand. Die Initiative „Alle Dörfer Bleiben“ setzt sich für den Erhalt der Dörfer und einen schnellen Kohleausstieg ein. Sie sagen, dass das Klima und die bedrohten Dörfer nicht dem Profitinteresse der Energiekonzerne zum Opfer fallen dürfen. Aus dem Protest zum Erhalt des Hambacher Forst haben die Betroffenen der Zwangsumsiedelung Hoffnung geschöpft und wollen bis zum Schluss kämpfen – im Rheinland, der Lausitz und im Leipziger Land.

Diese Fotoreportage erschien im April 2019 in der Taz: taz.de/braunkohledoerfer

In allen Dörfern, die den Tagebauen weichen sollen ist die Zukunft sichtbar. Verlassene Häuser sind hier ganz normal.

Im Vordergrund Kuckum. Hinten der Tagebau Garzweiler. Dazwischen das Dorf Keyenberg.

Der Blick auf Keyenberg wenige hundert Meter weiter. Im Hintergrund die Kirche.

Der Tagebau Garzweiler.

Noch kein Tagebau, aber eigentlich auch kein Dorf mehr: Immerath direkt am Tagebau Garzweiler.

Auch wenn noch ein bisschen Platz zwischen Tagebau und Immerath ist, visuell reißen die Bagger im Tagebau die letzten Gebäude im Dorf ab.

Auch am Tagebau Hambach - in Mahnheim - ist das Bild das gleiche.

Hier werden die verbliebenen Häuser abgerissen.