Das Hakenkreuz von nebenan

publiziert 30. Juni 2018

Nicht nur im öffentlichen Diskurs und in Parlamenten werden rechtsextreme Weltanschauungen sichtbar. Vielerorts muss man nur mit offenen Augen durch die Straßen laufen, um sichtbare Spuren rechtsextremer und neonazistischer Ideologie zu finden. Das ist kein lokales Phänomen und schon gar kein neues. Was sich verändert hat, ist das Auftreten der Neonazis. Das klassische Bild von Neonazi-Skinheads mit Bomberjacke und Springerstiefeln ist längst überholt. Immer wieder nutzen Rechtsextreme bewusst Strategien und Protestformen von Antifaschisten und Linksautonomen. Die sogenannte Anti-Antifa beispielweise ist eine Kopie der antifaschistischen und autonomen Strukturen nach rechts. Strategien wie der Schwarze Block als Schutz der Personen, das sportliche Auftreten und die Symbole werden hier in leicht veränderter Form genutzt, um neonazistische Inhalte auf die Straße zu tragen. Die Identitäre Bewegung gibt sich als aktionistische Organisation, die neue Begriffe findet und junge Menschen mit einem hippen und modernen Auftreten anspricht. Sie sprechen von „ethnokultureller Identität“ und „Remigration“ statt von „Deutschland den Deutschen“ und „Abschiebungen“. Immer wieder werden auch Codes genutzt, die auf den ersten Blick harmlos wirken und deren tatsächliche Botschaft nicht von allen verstanden wird. Üblich sind hier Abkürzungen wie NS für „Nationalsozialismus“, HH für „Heil Hitler“ oder AH für „Adolf Hitler“. Diese Abkürzungen werden häufig in Zahlencodes geschrieben. Hier ersetzt die Position eines Buchstaben im Alphabet dann den eigentlichen Buchstaben. HH wird also als 88 geschrieben und AH hat den Code 18. David Janzen ist Fachjournalist aus Braunschweig mit dem Schwerpunkt extreme Rechte. Er berichtet: „Die organisierte Neonazi-Szene in der ganzen Region ist recht klein und überschaubar. Bei Kundgebungen und anderen öffentlichen Aktivitäten kommen die auf höchsten 20-30 Personen, die dann meist aus der ganzen Region zwischen Harz und Heide herangekarrt werden.“ Aktiv sind in Braunschweig die Jungen Nationalisten, kurz JN, die Jugendorganisation der NPD. „Das sind so zehn bis fünfzehn Personen, ebenfalls aus der ganzen Region.“ Bis Januar 2018 gab es noch das Kollektiv Nordharz, eine rechtsextreme Vereinigung, die in ihrem Logo „Hammer und Schwert“ – ein Symbol der Hitler-Jugend und des Strasser-Flügels der NSDAP. „Die Aktivisten des Kollektivs sind nun in der Partei Die Rechte gewechselt. Auch hier dürften es so ca. 10 Leute sein.“ Auch die Identitäre Bewegung ist nach Informationen von David Janzen mit ca. 10 Leuten in der Region aktiv und verklebt Sticker. „Es gibt dann natürlich noch kleinere Grüppchen oder Cliquen, z.B. fallen eine Handvoll Nachwuchs-Nazis rund um Lengede auf, die teilweise auch bei JN-Aktivitäten dabei sind, Leute bedrohen und dort auch Hakenkreuze schmieren.“ Anfang Juni 2018 soll in Goslar der 10. Tag der Deutschen Zukunft stattfinden, dessen Ausrichter das aufgelöste Kollektiv Nordharz sein sollte. Aber auch viele andere rechte Strukturen mobilisieren zu diesem bundesweiten Treffen. So zum Beispiel die JN aus Braunschweig mit einem Banner auf einer Demo in Peine. Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass Graffiti und Aufkleber mit Hakenkreuzen, Zahlenfolgen, Codes sowie kryptischen oder eindeutig rechtsextremen Botschaften, die sich an vielen Orten finden lassen, nicht bloß „dumme Jungenstreiche“ sind. Sie sind Teil einer öffentlichen Kommunikation von rechtsextremer Gesinnung, auch hier in der Region 38. Solche Aktionen erfordern keine große Anzahl von Personen, sodass auch die überschaubare Zahl der organisierten Rechtsextremen in der Region eine Vielzahl an Stickern und Graffiti in ihrer Umgebung verbreiten kann. Wie lange solche Botschaften hängen bleiben, zeigt die Position oder zumindest Ignoranz vieler Passanten.

Hakenkreuz an einer Garage in Salzgitter Bad

Anti-Antifa Graffito unter eine Brücke in Langelsheim, auf der auch linke Graffiti durchgestrichen wurden

Statement auf dem Fenster eines Autos

88 steht für die Buchstaben HH, was 'Heil Hitler' heißt. Auf der Garage Nummer 18, was in der rechten Szene für AH also 'Adolf Hitler' steht. 2

Hakenkreuz Graffito in Salzgitter-Bad

"Europa, Jugend, Reconquista"-Sticker der Identitären Bewegung

Sticker des ehemalige 'Kollektiv Nordharz' in der Altstadt von Goslar

Eine Garage, die die Nationaltät des Besitzers mehr als deutlich präsentiert

SS Graffito in Salzgitter-Bad

Ein Hakenkreuz in der Fußgängerzone in Goslar

Tierschutz als Deckmantel für Islamfeindlichkeit. Sticker in Salzgitter-Bad

Stciker der rechtsextremen 'Volksbewegung Niedersachen' in der Innenstadt von Goslar

Sticker der Partei 'Die Rechte' gegen die Grünen in der Innenstadt von Goslar

Sticker der Partei 'Die Rechte' in Vienenburg

'NS Jetzt' in der Braunschweiger Innenstadt

Sticker gegen Geflüchtete in Hahndorf

Hakenkreuz Graffito in Salzgitter-Bad

Sticker des ehemaligen 'Kollektiv Nordharz' in Langelsheim

Hakenkreuz auf dem Parkplatzboden rund um den Bahnhof in Salzgitter Bad

Sticker in Astfeld gegen Hammer und Sichel - das Symbol für den Kommunismus

Sticker 'NS Area' und 'Volkstod stoppen' auf einem Zigarrentenautomat in Langelsheim

Tierschutz als Deckmantel für Islamfeindlichkeit. Sticker in Salzgitter-Bad

Werbung für den 'Tag der deutschen Zukunft' auf einem Sticker in Astfeld

Hakenkreuz an einer Laterne in Salzgitter Ringelheim

Fahne 'Deutschland meine Heimat' in einer Kleingartensiedlung in Salzgitter Bleckenstedt

88 steht für die Buchstaben HH, was 'Heil Hitler' heißt. Auf der Garage Nummer 18, was in der rechten Szene für AH also 'Adolf Hitler' steht.

Klare Botschaft an einem Fenster in Vienenburg

EIn Sicker mit der Botschaft 'Fuck Antifa' in Salzgitter Gerbershagen

Ein Hakenkreuz mit Bezug zur AfD in Salzgitter Bad

'NS AREA'-Sticker in Astfeld

Hakenkreuze in Salzgitter Bad

Name einer NPD-Kampagne und häufig genutzter Spruch von Rechtsextremen auf einem Auto in Salzgitter

'Good Night left Side'-Sticker in der Nähe des Bahnhofs in Salzgitter Ringelheim

Hakenkreuz Graffito in Langelsheim

'Heute sind wir tolerant - morgen fremd im eignen Land' in Vienenburg

Graffito in Vienenburg

'SS, 88, HH' und ein Hitlergruß auf einer viel besprayten Wand in Salzgitter

Werbung für den 'Tag der deutschen Zukunft' auf einem Sticker in Astfeld

'Nationalen Sozialismus erkämpfen - hier und jetzt' - Aufkleber in Vienenburg

'Schafft euch Nazikieze' - Sticker des ehemaligen 'Kollektiv Nordharz' in Langelsheim

'NS Kiez' in Salzgitter Ringelheim